Bogenschiessen - in Realität und auf dem Tisch

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Earendur
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Bogenschiessen - in Realität und auf dem Tisch

Beitragvon Earendur » 27.01.2015, 15:06

Hallo zusammen

Letztens habe ich im Internet folgendes Video gefunden:
https://www.youtube.com/watch?v=BEG-ly9tQGk

Hier zeigt ein Bogenschütze was alles möglich ist, was er sich antrainiert hat.
Ich selbst hatte letzen Somme das Glück mit einem Freund eine Probestunde zum Bogenschiessen zu bekommen, deshalb weiss ich auch dass dieser Herr aus dem Video wohl viele Jahre trainiert hat um auf so ein "Level" zu kommen.
Das gab mir ein ganz neues Gefühl und stellte mich vor Fragen bezüglich unseres Hobbys, deshalb würde ich gerne einmal diese Diskussion anstossen:

Werden Bogenschützen in unserem Hobby falsch dargestellt? Oder bildeten solche Bogenschützen wie dieser im Video in historischen Zeiten eher die Ausnahme, sprich um seine Bogenschützen Fertigkeiten zu beschreiben müsste man Legolas' Regeln benutzen (blaue HC Regeln)?

Mich würde eure Meinungen hierzu interessieren.
Greetz Earendur

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leas
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Re: Bogenschiessen - in Realität und auf dem Tisch

Beitragvon leas » 27.01.2015, 16:03

Das Video ist interessant anzusehen. Allerdings glaube ich nicht, dass die Bogenschützen im Hobby falsch dargestellt werden.
Man muss unterscheiden welchen Truppentyp man vor sich hat. Helden und ausgebildete Krieger, welche ihr Leben lang ausschließlich im Kampf geschult wurden, haben sicherlich das Niveau des Herren im Video erreicht. Der für die Armee eingezogene Rekrut musste neben dem Schießen, dann auch noch im Schildwall kämpfen können und verrichtete neben seiner Ausbildung auch noch andere Dienste. Am schwächsten waren dann sicher noch die Bauern und Tagelöhner denen man im Kriegsfall einen Bogen in die Hand drückte um aus dem Hintergrund zu schießen.

In Spielsystemen wie SAGA wird besonders auf die unterschiedlichen Truppentypen innerhalb einer Armee eingegangen, Veteranen - Krieger - Levies (Bauern), und dementsprechend auch der Ausbildungsgrad berücksichtigt.

Beim hdr Tabletop gibt es diese Unterscheidung auch - Helden mit sehr gutem Fernkampfwert z.B. Legolas - Krieger mit jahrelanger Ausbildung im Bogenschießen z.B. Elben und quasi die Bauern des Spiels z.B. Goblin mit Bögen.

Auch auf die unterschiedliche Stärke von Schusswaffen wird in den meisten Systemen eingegangen. So gibt es klare Stärkenunterschiede zwischen Bögen, Langbögen, Armbrüsten und auch Arquebusen bzw. Teppos.

Der Herr im Video ist also meiner Meinung nach schon die seltenere Fraktion, aber durchaus im hdr Tabletop gut umgesetzt

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Ser_Calenardhon
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Re: Bogenschiessen - in Realität und auf dem Tisch

Beitragvon Ser_Calenardhon » 29.01.2015, 14:32

Hallo,

cooles Video, da gehört schon eine ganz schöne Portion Übung dazu,

Aber zum Thema, finde auch, so grundsätzlich falsch dargestellt werden Bogenschützen und deren Einsatz im Tabletop an und für sich nicht… bis auf die eine oder andere Kleinigkeit.

Darstellung der Miniaturen:
Nicht ganz korrekt, was die Trageweise der Köcher angeht - zumindest im europäischen Mittelalter bzw. der Zeit in der Bogenschützen als Fernkampftruppen im Einsatz waren (bis ca. 1550 – nachgewiesen durch Funde von Langbögen auf englischen Schiffen), wurden die Köcher oder Pfeilbündel an der Seite getragen, nicht auf dem Rücken (bei Numenor und Gondor z.T. richtig dargestellt, Rohan und Elben - Fehlanzeige).

Können, am Beispiel der englischen/walisischen Langbogenschützen:
Soweit mir bekannt, durchliefen diese z.T. ein nahezu lebenslanges Training, Verschleißerscheinungen an Knochen und Gelenken, hervorgerufen durch diese „einseitigen Belastungen“, konnten an Skelettfunden aus dieser Zeit nachgewiesen werden. Bogenschützen im mittelalterlichen England waren auch -mehr oder weniger regelmässig - zu einer Art Wehrübungen in Form von Schießübungen und Wettbewerben o.ä. verpflichtet (siehe die Darstellung in manchen Robin Hood Verfilmungen). Trotzdem schaffte es nicht jeder zum Scharfschützen, bzw. waren Bögen Waffen, die in der Masse am effektivsten wirkten – die gute alte Pfeilsalve aus dem HC-Buch lässt grüssen... :cry:

Bögen bei Reiter-Völkern:
Der berühmte Parther-Schuss – Neudeutsch wohl auch Hit-and-Run (bzw. Ride) genannt – von Hunnen, Ungarn, Mongolen und zuallererst von den Parthern (daher der Name…) genutzt und von den Gegnern gefürchtet, hat in das HdR-Tabletop keinen Eingang gefunden… leider. Wäre optimal für Rohan (dann allerdings mit Bogenbegrenzung…) und Powergamer… ;) Schießen u n d volle Bewegung aus der Nahkampfreichweite des Gegners – ein Traum.

Letztendlich:
Wenn es zum Nahkampf kam, waren in der Regel alle Pfeile verschossen. Die Bogenschützen, da sie aus dem niederen Stand kamen, oft nur leicht gerüstet und bewaffnet in Form von größeren Dolchen oder Kampfmessern, (Schwerter eher selten – manchmal verhältnismässig teuer und je nach Region Adelsprivileg), galten dann vom Nahkampfwert her als eher zweifelhaft und blieben als eine Art Reserve oder Troßbegleitung/Schutz zurück. Evtl. sind Tabletop-Bogis da etwas stärker dargestellt als ihre realen Vorbilder. Wetterverhältnisse konnten auch für den Einsatz von Bögen entscheidend sein – Regenwetter bzw. hohe Luftfeuchtigkeit = zu nachgiebige Bogensehne = kürzere Reichweite, niedrigere Geschwindigkeit und Durchschlagskraft des Pfeiles.

So bisschen viel Text, aber wie Eingangs gesagt, Darstellung der Bogenschützen im Tabletop passt grundsätzlich schon.

Tabletopregeln sind mMn eben auch ein Kompromiss, um den Spielfluss und Spaß nicht durch ellenlange Tabellen und Vergleiche oder überzogene Massen an Fernkämpfern zu bremsen. Manch reale oder realistische Gegebenheit lässt sich dann im Spiel, u.a. aus Gründen der Spielbalance, nicht umsetzen. :beer:


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